Karnevalszeit ist Kreppelzeit
Beginnt die Faschingszeit, steuert Karneval seinem Höhepunkt entgegen. In einigen Regionen hat das Fest aber einen anderen Namen: Im Süden sagt man Fasching, oder Fasent bzw. Fastnacht. In Köln ist auch schon mal die Rede von Fastelovend. In den Namen steckt häufig das Wort „Fasten“, denn nach den Karnevalstagen beginnt die Fastenzeit.
Man entdeckt in den Hochburgen des närrischen Treibens nicht nur regional unterschiedliche Brauchtümer und Rituale, die gepflegt werden, sondern auch kulinarische Traditionen, wie zum Beispiel die Kreppel, Kräppel, Berliner, Krapfen, Pfannkuchen … (Details dazu weiter unten).
Von Alaaf bis Helau – in Düsseldorf ruft man Helau, in Köln und Bonn Alaaf.
Am Fastnachtsdienstag, dem letzten der Karnevalstage, sollten diese traditionellen Speisen verzehrt sein, denn sie enthalten Zutaten, die während der Fastenzeit früher nicht erlaubt waren. So wird dieser Tag auch‚ „Fetter Dienstag“ (franz.: Mardi Gras) oder „Pancake Day“ genannt.
Es sind nicht nur die Herstellungsvarianten dieses süßen, meist mit feinem Zucker bestäubten oder mit Zuckerguss umhüllten, mit Marmelade, Pflaumenmus, Eierlikör oder Vanillecreme gefüllten, kugeligen Fettgebäcks, die hier beeindrucken, auch die Vielfalt der Bezeichnungen fasziniert.
So haben etwa Wissenschaftler der Uni Augsburg in einer sogenannten WDU-Karte (Wortatlas der Deutschen Umgangssprache) den Wortgebrauch sprachgeografisch festgehalten: In Süddeutschland nennt man die süßen Gebäckstücke (Faschings)Krapfen, in Hessen kennt man sie unter Kräppel/Kreppel, im übrigen Westdeutschland heißen sie Berliner (Ballen, Pfannkuchen) und im Osten einfach Pfannkuchen. Weitere Wortschöpfungen sind vielerorts zu finden, so bezeichnet der Siegerländer einen ungefüllten Krapfen als Krebelche oder der Saarländer ihn als Faasekiechelcha.
Auch die Erklärungen zur Herkunft der Hefeteigkugeln sind facettenreich. Zum einen schreibt man den Ägyptern ihre Erfindung zu, zum anderen sollen die alten Römer das Gebäck gekannt haben. Im 17. Jahrhundert soll eine Wiener Bäckerin (Cäcilie Krapf) ihre beliebten „Cillikugeln“ hergestellt und im 18. Jahrhundert wiederum ein Berliner Feldwebel unter Friedrich dem Großen sein Fettgebäck in Kanonenkugelform gebacken haben.
Besonders an diesem vielseitigen Siedegebäck ist auch der typische Kragen, der helle Streifen in der Mitte. Er entsteht, wenn der Kreppel erst von der einen und dann von der anderen Seite im heißen Fett gebacken wird.
Egal, welchen Namen sie tragen, wer sie erfunden hat, ob sie gefüllt oder ungefüllt sind, eines haben sie gemeinsam: Sie schmecken lecker und auf einer Faschingsparty sind sie das süße I-Tüpfelchen – und für die Kleinen gibt es inzwischen die Kreppel im Kinderformat, die Minikrapfen.
Die Stadtbäckerei Rank in Nidda in der Wetterau/Hessen ist einen sehr ungewöhnlichen Schritt gegangen: Sie bieten bereits seit 2019 den „Mettkreppel“ an (das zuckerige Hefegebäck mit Schweinemett und Zwiebeln, dann den „Hessenkreppel“ (mit Handkäs und Musik), einen „Grüne-Soße“- und „BBQ-Kreppel„, einen „Thunfisch-Kreppel“ oder den „Wetterauer Flaaschworscht-Kreppel“ mit hausgemachtem Wurstsalat, den „Dönerkreppel“ gab’s im letzten Jahr. 2026 nun haben die Wetterauer Bäcker einen weiteren Exoten kreiert, den „Currywurst-Kreppel“. Laut Kundenaussage soll dieser „der Knaller“ bzw. ein „Gaumengenuss“ sein. Am besten, man beißt selbst einmal rein und bildet sich seine Meinung. Karneval ist halt schon ein bisschen verrückt – aber wem’s schmeckt!
Oder mal was Kreatives: Wegen der seit 01/2020 gültigen Kassenbonpflicht kam ein bayerischer Bäcker aus Moosinning auf die Idee, temporär seine Krapfen mit eingebackener Quittung (aus Fondant) anzubieten (mehr dazu hier: https://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/bon-pflicht-baecker-in-bayern-reagiert-mit-quittung-aus-zucker-a-12b8050c-1945-4a62-91fb-c14badf36758?fbclid=IwAR2RZcHbRyYzTnTzpVvBKtMQW7Qf47j3T_BjJ9NcH5JfJnCxOmEKRS1RV_E
Oder Beispiel 2: Der Kochkäskräppel aus dem Odenwald, ja, richtig gehört: Kräppelteig, gefüllt mit Kochkäse und garniert mit Zwiebelsud und Röstzwiebeln. Eine mutige Kreation, aber wenn’s ankommt, warum nicht!
Der Kreativität sind also keine Grenzen gesetzt!
Allen Karnelvalsjecken, Fastnachtern, Karnevalisten, Närrinnen und Narren (Narrhalesen) viel Vergnügen während der närrischen Tage.