Es gibt Tage, da scheint die Tastatur gegen die Schreiber zu arbeiten: Die Hände tanzen, der Kopf ist online, und trotzdem landet das Wort auf dem falschen Planeten. Willkommen in der wunderbaren Welt der Verschreiber. Sie tauchen dort auf, wo man sie am wenigsten braucht: im Fließtext, im Bewerbungsschreiben, in E-Mails oder in der Korrespondenz an Kunden.

Warum passieren Verschreiber?

Weil unsere Gehirne oft sagen: „Ich sag dir, was da stehen soll“, während unsere Finger dann doch das ansteuern, was die Tastatur gerade wörtlich, aber nicht sinngemäß versteht. Nehmen wir etwa das Beispiel „Strandortsuche„. Das klingt nach Sonne, Sand und einem GPS, das einem sagen will: „Hier ist der Strand, lass‘ dich an diesem Ort nieder und genieße. Die Pointe: Das Korrektorat würde sich sicher auch gerne an diesem Ort niederlassen, spitzt aber seinen Bleistift und streicht einfach das „R“. So schnell geht es, dass aus einem schönen Bild ein sachliche Suche wird nach einem geografischen Ort oder Raum, an dem sich eine Person, ein Objekt, ein Unternehmen etc. befindet.

Und dann „Grillhüte„, das klingt wie eine modische Headline für eine Grillparty mit Stil – doch der Korrektor vergibt gleich noch ein „T“ und schon ist die Sache klar: Es handelt sich nicht um einen Kopfschmuck, sondern um eine Hütte, die Schutz bei schlechtem Wetter bietet, wenn man es sich beim Grillen gemütlich macht.

Wortspielexperimente oder einfach Tippfehler?

„Gebäckträger“, „Fachleuchte“, „Schussbesprechung“ – ein Trio der Mini-Fehler, die aus dem Nichts auftauchen und trotzdem eine gewisse Comedy-Ästhetik haben. „Gebäckträger“ – Ein Mensch, der versucht, Backwaren an den Mann/die Frau zu bringen? Nein, wir machen aus dem „B“ schnell ein „P“ und schon ist alles wieder im Lot. „Fachleuchte“ klingt, als ob jemand eine neue Spezies fachlicher Lichtgestalten erfunden hätte, aber wenn man es genau nimmt, könnte man sagen, ein Fachmann/Experte ist eine Leuchte auf seinem Gebiet, also gar nicht so schlecht die Kombi, vielleicht eine neue Wortschöpfung? „Schussbesprechung“ wirkt, als ob zwei Kugeln eine Konferenz abhalten – wir merzen den Fehler einfach aus und geben ein „L“ hinzu. Die Sammlung der Buchstabendreher ließe sich noch seitenweise fortführen, aber wir beschränken uns auf diese paar und wenden uns unserem Job zu, dem Aufspüren und sorgfältigen Eliminieren von Fehlern.

Wir sind die freundlichen Detektive des Textuniversums, diejenigen, die Bücher, Blogs, Korrespondenz und E-Mails wieder in die richtige Spur bringen. Wir schieben Silben wie Puzzleteile zurecht, sortieren den Buchstabensalat neu. Ein guter Korrektor erkennt nicht nur Fehler, sondern hilft auch, die Stimme des Autors zu bewahren – nur eben mit weniger zufälligen Wortspielexperimenten.

Wenn Verschreiber auftreten, gibt es zwei Wege:

Entweder wir lachen gemeinsam über das lustige Versehen und holen uns das passende Wort zurück, oder wir sehen darin eine Gelegenheit, Sprachwitz neu zu formulieren. Die Kunst des Korrektorates besteht darin, die Balance zu halten: Klarheit schaffen, Ton bewahren und doch dem Text ein kleines Lächeln zu verleihen.

Also, nächstes Mal beim Schreiben: tief durchatmen, lostippen – und dann laut „Korrekturmodus aktivieren!“rufen ;-))

Verschreiber