Wortneuschöpfungen 2020

2020 – ein Jahr, das sich kaum in Worte fassen lässt und gleichzeitig so viel Wortneuschöpfungen wie selten hervorgebracht hat. Zu Beginn des Jahres war davon noch nichts zu erahnen, aber dann im Frühjahr/Sommer explodierte der Wortschatz geradezu. Die Corona-Krise hat – wie kaum ein anderes Thema – unsere Sprache geprägt; man könnte fast sagen infiziert.

Wortneuschöpfungen

Sukzessive haben Forscher des IDS (Leibniz-Instituts für deutsche Sprache (https://www.owid.de/docs/neo/listen/corona.jsp#) rund 1.000 neue Wörter und Wortverbindungen rund um das Thema „COVID-19/Corona“ gesammelt und in einem Glossar zusammengestellt. Alleine 300 Wörter oder Wortkonstruktionen mit der Vorsilbe Corona oder COVID sind in o. a. Vokabularium aufgelistet. Diese Wortliste von A bis Z beinhaltet auch eine kurze Bedeutungserklärung der Wörter. So finden sich zum Beispiel neben „Coronagruß“ oder „Coronoia“ auch solche wie “Fashionmaske, Gesichtskondom, Schnutenpulli bzw. Hamsteritis oder Niesetiquette” u. v. m. – Ein bisschen Sprachwitz darf dann auch sein.

Worte des Jahres 2020

Schließlich wurde das Wort „Corona-Pandemie“ zum Wort des Jahres 2020 von der Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS https://gfds.de/category/sprachraum-corona/) gekürt.

Das Jugendwort 2020 „Lost“ (ahnungslos, unsicher, unentschlossen) hingegen bestimmten erstmals Jugendliche via Online-Voting selbst. Dazu konnten im Vorfeld Begriffe online eingereicht werden, aus denen die Verlagsjury der Klett-Gruppe (hier: Verlag Langenscheidt) eine Top-Ten-Liste auswählte. Auch dieses Wort ist ein Spiegel des Zeitgeschehens.

Anglizismen in der Sprache

Neben den „gekürten“ Wörtern gibt es auch auch weitere neue Wortschöpfungen wie beispielsweise den “Trumpismus”, der 2020 auch eine sehr wesentliche Rolle gespielt hat oder auch Wortspiele rund um den Brexit, so z. B. “Brexshit” oder “Brextinct”.

Alle diese Wortneuschöpfungen oder Wortneubildungen (Neologismen), die Einzug in unseren Sprachgebrauch finden, haben die Aufgabe, bisher unbekannte Phänomene zu beschreiben. Oftmals sind auch Anglizismen (wie die o. g. oder etwa Blogger, Mainstream, Communitymaske …) mit dabei, wenn sprachschöpferische Aktivität stattfindet.

Je nachdem, mit welchen Herausforderungen wir konfrontiert werden, spiegelt sich das in unserer Sprache wider. Das zeigt sich im Jahr der „Corona-Pandemie“ ganz deutlich.

Unwort des Jahres 2020

Neben den rund 1.000 neuen Worten, die im Corona-Jahr entstanden, wählte Anfang 2021 das Institut für Sprach- und Literaturwissenschaft an der TU Darmstadt (http://www.unwortdesjahres.net) die Unwörter des Jahres 2020: „Corona-Diktatur” und Rückführungspatenschaften. Seit 30 Jahren wird jedes Jahr aus zugesandten Vorschlägen dasjenige Wort gekürt, das von den Einsendern am meisten genannt wird. Corona wirkt sich 2020 nun auch auf die Aktion aus. Ein Novum: Es wurden gleich zwei Unwörter (s. o.) ausgewählt, die auf beschönigende, verwirrende Wortkompositionen und problematischen Sprachgebrauch hinweisen sollen.

Die Sprache lebt – the language is alive – la langue vit! https://www.u-schaecher.de/uebersetzen/